Feste Biomasse in Deutschland
Die energetische Nutzung fester Biomasse hat in Deutschland eine lange Tradition. Zur festen Biomasse zählen land- und forstwirtschaftliche Erzeugnisse, wie z.B. Waldholz, schnell wachsende Baumarten, speziell angebaute Energiepflanzen oder auch Getreidestroh. Des Weiteren können Schnittabfälle aus forst- und landwirtschaftlichen Betrieben, der Holzindustrie, behandelte und unbehandelte Althölzer und Sägemehl sowie Rest- und Abfallstoffe aus der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion zur Energieerzeugung genutzt werden.
Holz ist in Deutschland der dominierende feste biogene Energieträger. Als Brennstoff ist er CO2-neutral, da Holz beim Verbrennen lediglich die Menge an CO2 freisetzt, die es während seines Wachstums aufgenommen hat. Holz wird hauptsächlich zur dezentralen Erzeugung von Wärme, aber auch in größeren Anlagen zur gleichzeitigen Erzeugung von Wärme und Strom verwendet. Deutsche Unternehmen stellen hier hocheffiziente und weltweit führende Technologien zur Verfügung.
Anwendungen und Technologien
Holz kommt in Form von Scheitholz, Hackschnitzeln und Pellets für die Wärmebereitstellung zum Einsatz. Für die Verbrennung von Holzpellets in Einfamilienhäusern wurden Öfen und Kessel mit elektronisch geregelten Feuerungssystemen entwickelt, die zum Teil über automatische Förderschnecken befüllt werden. Der Verbrennungsprozess verläuft in diesen neuen Anlagen wesentlich effizienter und schadstoffärmer als in konventionellen Holzheizungen, wie beispielsweise Kachel- und Kaminöfen. Diese modernen Heizungssysteme werden inzwischen in verschiedenen Leistungsgrößen angeboten, für Einfamilienhäuser beträgt sie typischerweise unter 15 kW.
Heizanlagen, die mehrere Haushalte oder Häuser versorgen, werden in der Regel mit Holzhackschnitzeln aus maschinell zerkleinertem Holz befüllt. Die Wärme wird dann über Nahwärmenetze verteilt.
Holz wird auch direkt in größeren Kraftwerken zur gleichzeitigen Produktion von Strom und Wärme verwendet, in so genannter Kraft-Wärme-Kopplung (KWK). Durch die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme lässt sich der Gesamtwirkungsgrad der Energieumwandlung erhöhen und damit der Brennstoff effizienter ausnutzen als bei Anlagen mit reiner Stromerzeugung.
Marktentwicklung
Die Anzahl der Holzpellets-Heizungen ist in Deutschland in den vergangenen Jahren schnell gewachsen, die Zuwachsraten betrugen bis zu 100 Prozent. Die Zahl der Pelletskessel und -öfen lag in Deutschland Ende 2006 bei rund 70.000 Anlagen. Die Pelletsproduktion wird sich 2007 voraussichtlich auf über eine Million Tonnen erhöhen, wobei Holzpellets an über 30 Standorten produziert werden. Durch das Marktwachstum haben deutsche Hersteller in den letzten Jahren in den Ausbau ihrer Produktionskapazitäten und die Weiterentwicklung der Technologie investiert. Moderne Holzpelletskessel reinigen sich automatisch und werden nur einmal jährlich gewartet. Lediglich die Asche muss ein- bis zweimal im Jahr entsorgt werden.
Im Bereich der größeren Anlagen zur Wärmebereitstellung versorgen inzwischen mehr als tausend Biomasse-Heizwerke über Nahwärmenetze angeschlossene Wohnsiedlungen sowie zahlreiche öffentliche Liegenschaften mit Wärme. Daneben nutzen hauptsächlich Holz verarbeitende Betriebe größere Holzkesselanlagen zur Versorgung industriell-gewerblicher Objekte.
Holz spielt in Deutschland auch bei der Verstromung fester Biomasse die wichtigste Rolle. Ende 2006 waren rund 160 Anlagen mit einer elektrischen Leistung von 960MW in Betrieb. Als Rohstoffe kamen vor allem Altholz, Industrie-Restholz und Sägenebenprodukte zum Einsatz. Aufgrund attraktiver Förderbedingungen im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes nimmt das Interesse der Industrie und von Investoren an der Stromerzeugung aus Holz zu.
Rahmenbedingungen
Im Wärmesektor fördert das deutsche Marktanreizprogramm Anlagen zur Verfeuerung fester Biomasse, insbesondere hocheffiziente Kleinfeuerungsanlagen mit Pellets-, Holzscheit- und Hackschnitzelfeuerungen. Dadurch wird ein Anreiz geschaffen, die Wärmeversorgung trotz anfangs höherer Investitionskosten auf hocheffiziente Technologien und umweltfreundliche Biobrennstoffe umzustellen. Die Bundesregierung plant die derzeit jährlich festzulegende Förderhöhe für Erneuerbare Energien zur Wärmeerzeugung durch eine überarbeitete Gesetzgebung einerseits zu erhöhen und andererseits zu verstetigen.
Im Stromsektor fördert das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) die Stromerzeugung aus fester Biomasse in Deutschland. Zentrales Element ist ein über 20 Jahre garantierter Mindestpreis, der für eingespeisten Strom aus Biomasse in das öffentliche Stromnetz gezahlt wird. Die Netzbetreiber sind verpflichtet, den Strom vorrangig abzunehmen und entsprechend den gesetzlichen Vorgaben zu vergüten. Die Höhe der Vergütung wird in Abhängigkeit von der Technologie, der Anlagengröße sowie nach den eingesetzten Rohstoffen gezahlt. Zusätzlich gibt es Bonus-Vergütungen für Kraft-Wärme-Kopplung und für die Anwendung innovativer Energietechnologien.



